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Mit dem Zug an Ostern nach Sizilien

Einleitung

Ein paar Tage Resturlaub vom letzten Jahr waren noch übrig und mussten verplant werden. Ich bin kein Wintersportler und mag die kurzen Tage nicht, daher wollte ich die Tage soweit es geht in das Jahr reinschieben. Und das hieß: Bis Ende März die Woche nach Ostern.

Obwohl ich kein Flugfreund bin, ist Sizilien dann schon ein Ziel, bei dem auch ich an ein Flugzeug als ein geeignetes Mittel denke, um dorthin zu kommen. Trotzdem habe ich mich für die Bahn entschieden, einfach wegen des Erlebnisses der Zugreise: Nachtzug und Fährverladung.

Los geht's

Da ich am Karfreitag noch was zu erledigen hatte, startete die eigentliche Reise dann erst am Abend in München.

München Hbf     ab 21:02      CNL 485 »Lupus«
Roma Termini    an 09:22
   
Roma Termini    ab 11:26      IC 727
Siracusa        an 22:45

Die Tickets waren (schon um die Neujahrswende) gekauft, sehr günstig: 61 € bis Rom im Liegewagen von der DB, 20 € dann noch bis Siracusa von der Trenitalia. Und das ganz regulär ohne Tricks (okay, Stückeln). Ich bin sicher, mit einem schottischen Billigflieger zur Unzeit wäre es noch billiger geworden, aber das war nicht das Kriterium. Die neue 5er-Regelung im Abteil finde ich eigentlich sehr praktisch, da dann genug Platz für's Gepäck da ist. Ich finde es nur etwas komisch dass nicht die mittlere Liege dafür vorgesehen ist sondern die obere, da man in der Mitte wohl doch am unbequemsten liegt (hab's aber noch nie probiert, hatte immer unten oder oben).

Der Zug fuhr (wie eigentlich immer wenn ich mit einem Nachtzug fahre) verspätet ab, wegen Wartens auf Anschlussreisende. Bei den üppigen Fahrzeitreserven aber auch kein Problem. Meine letzte Fahrt nach Rom hatte ich in etwas schlechter Erinnerung. Ganz einfach deswegen weil die Fahrt in Bologna wegen einer mehrstündigen Verspätung des EN aus Wien endete und alle dann in den italienischen Schnellzug umsteigen musste. Was zwar zur Folge hatte, dass wir eher in Rom waren, aber eben auch, dass ich nicht ausschlafen konnte und die fehlende Sitzplatzreservierung dann auch zu einem mehrmaligen Umsitzen geführt hat (italienische Züge sind reservierungspflichtig, daher werden eigentlich freie Sitzplätze nicht angezeigt und bei jeder Station kann jemand kommen).

Der Zug war praktisch ausgebucht und das Abteil war auch in München schon voll. Der Schaffner ist mir noch in positiver Erinnerung geblieben. Sehr freundlich, sprach fließend italienisch und hat auch versucht jeden Reisenden in seiner Sprache anzusprechen. Ja, ich weiß, offiziell gibt es keine Schaffner. Aber da ich nicht bei der Bahn arbeite darf ich das sagen. Insgesamt jedenfalls eine sehr angenehme Fahrt!

Den ganzen Tag im Zug

Irgendwo in Italien um knapp 7 Uhr wurde ich dann dennoch wach. Laut der DB-App knapp eine halbe Stunde Verspätung, aber dank Schnellfahrstrecke wurde die dann wieder reingefahren. Dass die doch recht alten Wagen 200 km/h (laut GPS auf meinem Schlaufon) fahren dürfen hätte ich gar nicht gedacht! Der Zugteil aus Wien scheint auch drangekoppelt worden zu sein, denn die Durchsagen kurz vor Rom kamen nicht mehr von CNL sondern von „Newrest Wagon Lits“. Sehr gut, pünktlich um 9:22 Uhr in Roma Termini!

Das Ziel ist ja nicht Rom sondern Sizilien, also zwei Stunden Wartezeit. Ich mag Bahnhöfe eigentlich ganz gern, aber nicht Roma Termini. Weiß auch nicht warum, wenig Sitzgelegenheiten, teure Geschäfte, unschöne Umgebung, keine Schließfächer aber trotzdem hektisches Gewusel. Die zwei Stunden gingen mit passenden Podcasts und einem Einkauf in einem Supermarkt im Untergeschoss dann auch rum und irgendwann wurde der IC auch bereitgestellt.

Italienische Abteilwagen durch und durch, zwar alt aber gemütlich. Das Wetter war nicht besonders schön, so konnte man die Ausblick der doch teilweise landschaftlich angenehmen Strecke am Mittelmeer nicht genießen wie es bei schönem Wetter gewesen wäre. Zunächst wechselte die Abteilbelegung öfter - nicht jeder ist so verrückt, die ganze Strecke durchzufahren -, dann stiegen irgendwann eine ältere Frau mit ihrem Sohn zu. Sie hatten viel Gepäck und noch mehr zu essen dabei und ließen es sich nicht nehmen, mir etwas davon anzubieten. War mir zwar irgendwie unangenehm, da ich nichts dabei hatte, was ich im Gegenzug anbieten konnte, aber letztlich griff ich dann doch zu. Schon alleine deshalb weil ich für die lange Fahrt etwas zu wenig gekauft habe und dann irgendwann Hunger bekam. Leider konnte ich mich mit ihnen wegen fehlender Italienischkennisse meinerseits und fehlender Englischkenntnisse ihrerseits nicht wirklich unterhalten.

In Villa San Giovanni stiegen dann die meisten Fahrgäste aus, so auch meine Mitreisenden im Abteil. Ich vermute mal es gibt effizientere Wege auf die Insel zu kommen, weil der Ort selbst hat mir jetzt nicht den Eindruck gemacht dass dort alle hinwollen. Wie auch immer, für mich begann nun der eigentlich spannende Teil der Zugfahrt: Die Verladung auf das Schiff. Zeitdruck herrscht jedenfalls nicht, für die ganze Prozedur der etwa 20-minütigen Überfahrt sind zwei Stunden vorgesehen.

Der Zug passt natürlich nicht als Ganzes auf das Schiff, er wird in zwei Teile zerlegt. Interessanterweise ist das nicht die gleiche Teilung wie hinterher (Zugteil nach Siracusa, der zweite nach Palermo), warum auch immer. Hier zwei Fotos von der Fähre:

Das Ganze war noch vor der Sommerzeit-Umstellung, es war also schon dunkel. Zum Glück durfte man während der Überfahrt den Zug verlassen, etwas frische Luft und Bewegung tun nach so einer langen Fahrt dann gut. Irgendwann wird dann wieder rangiert was das Zeug hält und der Zug setzt sich letztendlich nach Siracusa in Bewegung. Das Reservierungssystem hat funktioniert und mich in den richtigen Teil gebucht. Perfekt!

Entlang der Küste Siziliens geht es dann im Dunkeln über Catania (wo der Zug dann wieder leerer wird nachdem er sich in Messina wieder gefüllt) hat nach Siracusa. Zum Glück liegt meine Unterkunft nahe des Bahnhofes so dass ich gleich einchecken und schlafen kann. Einen Tag nichts tun ist halt doch anstrengend!

Syrakus

Nach der doch etwas längeren Anreise steht heute Siracusa oder auch Syrakus auf dem Programm. Geographisch liegt Syrakus an der Ostküste. Syrakus war lange Zeit unter griechischer Herrschaft, erst 212 v. Chr. gelang es den Römern Syrakus einzunehmen. Damals war es auch die Provinzhauptstadt. Nach dem Untergang Roms eroberten um 450 die Vandalen die Stadt und 535 fiel sie für über drei Jahrhunderte an das Oströmische Reich. Im 9. Jahrhundert eroberten dann die Araber Sizilien und Palermo wurde die neue Hauptstadt Sizliens. Für die neuere Geschichte verweise ich auf Wikipedia.

Zunächst aber mal ein Foto vom Bahnhof, jetzt bei strahlendem Sonnenschein:

Grad stand ein InterCity Notte am Gleis, den musste ich dann ablichten. Einfach deshalb, weil ich die dunklen Züge schön finde und am Ende der Sizilienreise dann auch mit einem fahren werde.

Die Stadt Syrakus besteht aus der Altstadt auf der Insel Ortygia und der Neustadt auf dem Festland. Auf letzterem befindet sich der Parco Archeologico della Neapoli, den ich nun besuchen werde. Syrakus ist einigermaßen klein genug um alles zu Fuß erreichen zu können.

Griechisches Theater
Das Ohr des Dionysios mit seiner besonderen Akustik

Syrakus hat aber auch modernere Bauwerke zu bieten wie die Kirche Madonnina delle Lacrime (finde ich zwar architektonisch interessant, schön aber irgendwie dann doch nicht):

Auf der Insel Ortygia überwiegen dann wieder die alten Bauwerke. Hier auszugsweise der Dom und das Castello Maniace, welches zum Glück am Ostersonntag auch am Abend offen hatte, obwohl normalerweise nur am Vormittag. Man beachte das wunderschöne Wetter, wir haben schließlich nicht Juni sondern Ostern.

Dazu noch eine kleine Annekdote: Das Wetter und die Intensität der Sonne hat mich in der Form doch überrascht, ich hatte nämlich keine Sonnencreme dabei. Nichts leichter als das dachte ich, geh ich halt in den nächsten Supermarkt und kaufe welche. Tja, weit gefehlt. Der Durchschnittssizilianer spricht erstens kein Englisch und ich immer noch kein Italienisch. Mittels Gestik erfuhr ich, dass das Zeug crema solare heißt. Gut, ist jetzt nicht so überraschend. Aber auch das half nicht, denn ich erfuhr weiter dass ich sowas nicht im Supermarkt oder in einer Drogerie sondern in einer farmacia, also einer Apotheke bekomme. Ich staunte dann nicht schlecht über die Apothekenpreise: 15 € für eine Sonnencreme! Mag sein dass der Durschnittssizilianer das nicht braucht, aber ich war auch nicht der einzige Tourist auf der Insel. Somit Hinweis an alle: Sonnencreme mitnehmen. Am besten ganz viel und dort an andere Touristen verkaufen. :-) Das war aber auch das einzige was mich preislich vom Hocker gehauen hat, ansonsten ist Sizilien recht günstig.

Viel geredet, hier die Bilder:

Der Dom
Blick auf die Altstadt, links das Castello Maniace
Das Castello selbst
Sonnenuntergang von der Burg aus
Blick auf die Altstadt von der anderen Seite in Abenddämmerung

Am nächsten Tag geht's per Leihfahrrad raus in die Natur Richtung des Naturreservats Fiume Ciane. Ich stelle fest dass in diesem Teil von Sizilien sehr wenig Fahrrad gefahren wird, etwas anders ist es in Parlermo. Das Auto dominiert eindeutig. Ach, wie schön könnten Städte sein ohne den Dreck und Lärm durch Autos‥., nicht nur in Italien.

Ein Dorf namens „Cassible“
Herrlicher Strand

Catania

Am nächsten Tag geht's nach Catania. Ziel ist eine kurze Stadtbesichtigung und eine Fahrt mit der Ferrovia Circumetnea. Von Syrakus nach Catania geht's selbstverständlich mit der Bahn. Zeitlich war grad ein InterCity am besten, kostet zwar geringfügig mehr aber der Preis für eine einfache Fahrt war immer noch unter 10 €, also nicht der Rede wert. Dafür fährt man in den gleichen Abteilwagen wie bei bei der Fahrt auf die Insel.

Es war im Vorfeld gar nicht leicht, die Fahrzeiten der FCE herauszufinden. Auf der offiziellen Internetseite wurde ich nicht fündig, irgendwo fand ich dann einen Scan des Fahrplans in einem Eisenbahnforum. Zwar nicht mehr ganz aktuell, aber meine Hoffnung war, dass sich da soviel nicht ändert. Immerhin, in der Touristeninformation von Catania bekam ich sofort ein Examplar ausgehändigt. Leider war es so oft kopiert dass ich die Zahlen nur mit Mühe entziffern konnte. Ansonsten hätte ich es abfotografiert und für andere ins Internet gestellt, aufgrund des schlechten Qualität war das dann leider nicht möglich.

Zunächst geht's in die Stadt. Vom Bahnhof zur Innenstadt durchquert man zunächst einen Markt, der jetzt optisch nicht grad ein Aushängeschild ist. Also jetzt nicht der Markt selbst sondern auch die Umgebung.

Weiter findet man die Reste eines Amphitheaters aus der Antike, mit 7000 Sitzplätzen eines der größten auf Sizilien.

Der Blick zum Etna darf natürlich auch nicht fehlen. Es war etwas diesig an dem Tag.

In der Stadt sticht die Kathedrale Sant’Agata ins Auge. Auf dem Platz davor der bekannte Elefantenbrunnen. Viele Gebäude sind übrigens deshalb so dunkel, weil es sich um Lavagestein handelt.

Elefantenbrunnen
Kathedrale

Hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich ein kleiner Park. Hier ein Foto mit dem für Sizilien typischen Triebwagen »Jazz« von Alstom.

Ansonsten fand ich Catania ganz nett aber nicht so schön wie Syrakus. Die Lage zwischen Etna und Meer ist halt genial! Nun aber zur FCE. Um überhaupt dorthin zu gelangen muss man erst die U-Bahn nehmen um bis Catania Borgo zu gelangen. Ich stieg wieder im Hauptbahnhof zu.

Die U-Bahn

Dort heißt es dann erstmal: Ticket kaufen und warten. Währenddessen sehe ich mich etwas am Bahnhof um.

Fahrdienstleiter als »Dirigent der Bewegung« - schön :-)
Stellwerkstechnik
Blick in Fahrtrichtung

Die Fahrgäste lassen sich sofort in zwei Gruppen einteilen: Einheimische, die die Bahn benutzen um von A nach B zu kommen (hauptsächlich Jugendliche) und Touristen, die die Bahn wegen der Bahn benutzen. Endlich fährt der Zug ein:

Schön alt, mit Fenster zum Öffnen. Weil im anderen Bericht nach Klimaanlagen gefragt wurde: Ich persönlich mag die ja eher nicht weil die Luft so künstlich und meistens übertrieben kalt (Wozu muss ich im Sommer auf 20 Grad kühlen wenn im Winter die Leute jammern dass 20 Grad zu kalt seien und auf 25 Grad heizen? An die Umwelt denkt eh niemand mehr..) ist. Okay, im Hochsommmer wäre mir das auch zu heiß, aber da wäre Sizilien ohnehin nichts für mich.

Der erste Teil der Fahrt ist wenig spektakulär. Auch mit unterirdischen Bahnhöfen. Ich dachte mir eigentlich schon „das hättest Du Dir sparen können“, aber nach einiger Zeit hat sich das geändert! Schöner Ausblick auf eine schöne Landschaft.

... und weil diese Tierchen den Bahnübergang nicht benutzt haben, mussten wir kurz anhalten

In Randazzo (glaub ich zumindest dass es dort war) war die Fahrt dann zu Ende. Schienenersatzverkehr. Der Schaffner hat extra noch jemand dazugeholt, der den Touristen auf Englisch erklärt hat, dass sie in den Bus umsteigen müssen. Ich hätte das auch so kapiert ;-). Die Busfahrt war dann auch ein Erlebnis für sich. Die Straße ist sehr kurvenreich. Statt ganz langsam zu fahren entschied sich der Busfahrer - wir sind schließlich in Italien - an jeder Kurve einfach zu hupen. Ob das gutgeht? Fast. An einer Kreuzung kam es dann tatsächlich zu einem leichten Zusammenstoß seitlich mit einem Pkw. Es wurde die Polizei geholt, was die Weiterfahrt dann eine halbe Stunde verzögerte. Dort sprach mich dann auch eine Gruppe von Schülerinnen an, die erst ihre Englisch- und dann ihre Deutschkenntnisse (sie lernten tatächlich Deutsch am Gymnasium) ausprobieren wollten. Ich musste unbedingt was für ihre Lehrerin aufs Handy sprechen. Hach, früher wäre das nicht passiert, schließlich hatte da nicht jeder ein Diktiergerät dabei. ;-)

Von Riposto - mittlerweile war es Abend - fuhr ich dann zurück nach Catania und schließlich nach Syrakus.

Nach Enna

Am nächsten Tag wollte ich nach Enna zu meinem nächsten Quartier. Meine Recherche ergab, dass die Bahn ein wenig geeignetes Verkehrsmittel darstellt weil der Bahnhof ziemlich weit (vor allem höhenmäßig) vom Ort weg ist. Insofern hat mich dann dann dazu bewogen, den Bus einzuplanen. Es gibt keine direkte Busverbindung von Syrakus nach Enna und die Umsteigeverbindungen waren schlecht. Infolge dessen war der Plan, mit dem Zug wieder nach Catania zu fahren und von dort mit dem Bus aus nach Enna. Am Bahnhof hatte ich eine halbe Stunde Zeit, den Bus zu finden.

Leider war das zu wenig. Vor dem Bahnhof befindet sich die Bushaltestelle für die Stadtbusse. Der ZOB (so würde man ihn in Deutschland bezeichnen) war gegenüber. Trotz diverser Rückfragen und trotz vorheriger Recherchen war es mir nicht möglich, den Bus und die passende Fahrkartenverkaufsstelle zu erfragen. Ich bin zu blöd für Fernbusse in Italien. Gut, bevor ich jetzt zwei Stunden auf den nächsten Bus warte dachte ich, „fährst Du halt doch mit dem Zug“. Gesagt. Getan.

Es war eine schöne Bahnfahrt mit einem modernen Triebwagen. Das Wetter war immer noch sonnig. Ich hatte vor mir alle möglichen elektronischen Geräte ausgebreitet, um sie mit Strom zu füttern. Plötzlich kommt die Ansage „Enna“. In Deutschland kämen jetzt die Umsteigeverbindungen, man würde gesänkt bekommen mit der Bahn geträwelt zu haben, kurz, noch jede Menge Zeit, seine sieben Sachen zu packen. In Sizilien hingegen musste ich innerhalb von 30 Sekunden alles irgendwie reinstopfen und abstecken. Ein Ladegerät für 15 € blieb dabei zurück, aber es hätte schlimmer kommen können.

Wie bereits erwähnt befindet sich zwischen Enna und Enna Bahnhof eine Höhendistanz von ungefähr 200 m. Ich hatte auf einen Bus gehofft, meine Hoffnung blieb unerfüllt. Später werde ich erfahren dass es mal einen Bus gab, die Stadt sich aber mit dem Busunternehmen nicht einigen konnte und es seitdem keinen Bus mehr gibt. Jetzt weiß ich das noch nicht, und die Erkenntnis würde mir bei der Bewältigung der Distanz auch nicht helfen. Also mache ich mich mit meinem Rucksack auf den Weg. Der erste Teil lässt sich abseits der Hauptstraße auf einem Feldweg bewältigen (eine Offline-Variante von OpenStreetMap ist schon was praktisches).

Der Ausblick entschädigt einen aber für die Mühen. Ohne Gepäck wär's eh kein Thema gewesen.

Enna
Calascibetta (der Bahnhof liegt zwischen Enna und Calascibetta)

Weiter auf der vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße kamen dann zwei doch relativ agressive Straßenhunde auf mich zu, die sich auch von den ganzen Autos nicht abhalten ließen, die Straße zu überqueren. Etwas Panik machte sich in mir breit, doch noch bevor ich einen Plan B überlegen konnte, hielt ein Auto an. Die Italienerin fragte mich, ob sie mir helfen könnte und wo ich hinmüsse, und obwohl sie eigentlich in die andere Richtung nach Calascibetta fuhr, nahm sie mich mit, drehte um und fuhr mich den Berg hoch. Solche Hilfsbereitschaft habe ich hierzulande auch noch nicht erlebt. Obwohl die Kriminalität auf Sizilien sicher objektiv höher ist als in Deutschland hat man offenbar weniger Angst davor.

Erleichtert in Enna angekommen beziehe ich als erstes meine Unterkunft. Gebucht hatte ich ein Bett im Mehrbettzimmer in einem Hostel, faktisch war ich der einzige Gast an diesem Werktag. Die Saison hat noch nicht begonnen, zumal Enna nicht so touristisch ist wie Palermo und auch wegen der Höhe etwas kühler.

Enna

Nach der doch etwas umständlichen Anreise nun also zu Enna selbst. Die Stadt liegt auf dem Gipfel der Gipfel der Monti Erei, dem Monte San Giuliano mit einer Höhe von 968 Metern und besteht aus 28.019 Einwohnern, wobei auch Teile der Stadt dazugehören, die nicht auf dem Berg liegen.

Darauf muss man im Übrigen auch achten wenn man mit dem Bus nach Enna fährt, die Haltestelle unten heißt Enna Bassa, befindet sich aber im Gegensatz zum Bahnhof auf der anderen Seite des Bergs, die auch „bewohnt“ ist. Der Weg ist dann auch etwas einfacher, wenn auch genauso anstrengend da die gleiche Höhe zu überwinden ist.

Erstmal will ich ein paar Bilder sprechen lassen.

Der Dom
Das Castello di Lombardia bzw. dahinter
Blick vom Castello auf die Nachbarstadt
Verwaltungsgebäude
Blick auf Enna von Enna Bassa aus
Die Universität (unten in Bassa)

Aufgrund des begrenzten Platzangebots besteht Enna aus vielen engen Gassen. Typisches Sizilien, die Wäsche an den Hauswänden zwischen (!) Balkonen, um 22 Uhr an einem Werktag richtig Leben in der Stadt, nachmittags die Geschäfte geschlossen. Eine Autowerkstadt mitten in der Stadt, kleine Läden statt einem Supermarkt mit großem Parkplatz und eben nicht touristisch. Nachteil aber: Ohne Auto ist es schwierig, die Umgebung zu erkunden, öffentliche Verkehrsmittel gibt es wenig. Der Ortsteil unten ist dann schon wieder „normaler“ mit größeren Geschäften, neuen Gebäuden, breiteren Straßen und auch der Uni. Enna ist also auf jeden Fall einen Besuch wert, ein Tag reicht aber auch. 5 km südlich von Enna befindet sich der einzige natürlich See Siziliens Lago di Pergusa, der aber von einer Autorennbahn „eingerahmt“ wird. Schade. Sowas ist mir unbegreiflich - hätte man auch woanders bauen können.

Nach Palermo

Jedenfalls fahre ich dann weiter nach Palermo. Wieder mit der Bahn, zum Bahnhof komme ich dieses mal mit einem Auto. Die Dame im Hostel hat mir eine Art „Taxi“ organisiert. Von der Fahrt habe ich leider keine Fotos mehr.

In Palermo hatte ich mir zwei Punkte vorgenommen: Eine Wanderung auf den Monte Pellegrino und eine Stadtbesichtigung. Da ich am zweiten Tag dann schon wieder zurückfahre mit dem Nachtzug und bei so einer Wanderung weiter draußen immer eher was schief geht (also dass ich den Zug nicht mehr rechtzeitig erwische), ziehe ich die Wanderung vor und verschiebe die Stadtbesichtigung auf den letzten Tag.

Die Wanderung habe ich aus einem Wanderführer (MM Wandern Sizilien), allerdings etwas abgewandelt. Von der Stadt laufe ich zu Fuß kreuz und quer zum Beginn des Pilgerwegs. Ein Teil auf einer stark befahrenen Ausfallstraße mit richtig schlechter Autoabgasluft.

Blick nach unten
Blick nach oben
Der Gipfel
Dazwischen

Runter geht's dann durch's Gebüsch und etwas steiler, die Route war im Wanderführer mit GPS-Track. Eidechsen ohne Ende. War mir vorher auch nicht so bewusst wie der Weg verläuft, aber der Ausblick war dann Belohnung genug!

Ausblick

Unten ist dann eine Bushaltestelle, aber es wäre zu schön wenn da auch die Zeiten angeschrieben stünden. Somit bin ich dann den kompletten Weg in die Stadt auch noch gelaufen und war für den Tag fertig.

Am letzten Tag (abgesehen vom Reisetag) dann noch ein paar Eindrücke von Palermo, bevor der Urlaub leider zu Ende geht.

Teatro Politeama
Teatro Massimo (Opernhaus)
Ein FIAT
Kathedrale von Palermo
Botanischer Garten (diese Großblättrige Feige hat's bis auf Wikipedia geschafft)
Innenstadt
Strand (in der Nähe des Hafens)

Das Wetter wird erkennbar schlechter. Zeit also für die Heimreise im nächsten Teil!

Nach Hause

Irgendwann ist jede Reise zu Ende. Ich freue mich aber schon auf die Fahrt mit dem italienischen Nachtzug. Obwohl die Kombination aus italienischem Tageszug und dem CNL etwas schneller und meistens preislich günstiger ist, wollte ich erstens mal in einem italienischen ICN fahren und auch am Abend ankommen so dass ich die letzte Nacht zu Hause schlafen kann bevor es dann wieder in die Arbeit geht.

Mein Plan war folgende Strecke. Genug Zeit in Roma für den Anschluss, da ich aufgrund der zwei verschiedenen Fahrkarten keine Fahrgastrechte habe. So jedenfalls der Plan!

Palermo Centale   ab 18:30      ICN 1954
Roma Termini      an 07:13
   
Roma Termini      ab 08:50      ES 9412
Bologna Centrale  an 11:07

Bologna Centrale  ab 11:52      EC 84
Rosenheim         an 17:39      

(Der EC 84 endet planmäßig wegen Bauarbeiten in Rosenheim.)

Rosenheim         ab 18:32      M 79038 (Meridian)
München Hbf       an 19:17

München Hbf       ab 19:52      ICE 522
Nürnberg Hbf      an 20:57

Alle Liegen im Nachtzug waren ausgebucht, nur Betten waren noch ein paar frei. Die italienische Bahn belegt die Abteile nur mit vier Leuten und hat auch (zumindest wenn man es auswählt) eine Geschlechtertrennung. Sitzplätze gibt es erst gar nicht. Mit mir reisten drei Italiener, zwei davon stiegen später zu. Um 22 Uhr wieder die Überfahrt über das Meer (gleiche Prozedur wie bei der Hinfahrt), irgendwann entschließen sich auch die Italiener das Abteil umzubauen und um Mitternacht schlafe ich ein. Fast hätte ich Rom verschlafen, auch wenn der Schaffner kurz geklopft hat. Es gibt übrigens ein Wasser und ein O-Saft im Tetra-Pack, ansonsten fährt die italienische Bahn mit weniger Personal als CNL. Die Decken werden auch erst ausgeteilt während der Zug schon fährt. Insgesamt ist der Zug in einem sehr guten Zustand. Alles in allem emmpfand ich die Reise mit CNL aber etwas angenehmer, kann aber aber auch am netten Personal liegen.

Der Zug von hinten
Ein Abteil von innen
Wieder auf dem Schiff

In Rom dann angekommen plündere ich erstmal die Automaten für's Frühstück. Im Gegensatz zu deutschen Kaffeeautomaten, wo es nur Pulver und heißes Wasser gibt, haben die Italiener richtig gute Espressoautomaten, deren Kaffee auch schmeckt. Der Zug war übrigens pünktlich, der Puffer wäre also nicht notwendig gewesen. Aber sicher ist sicher.

Privater Schnellzug vs. staatlicher Schnellzug

Auch der italienische Schnellzug fährt pünktlich. Das Reservierungssystem hat mich mitten in einer Schülergruppe einquartiert, die nach Kroatien fuhren. Genau deshalb mag ich diese Zwangsreservierungen nicht. In Ländern ohne Zwangsreservierungen kann ich mir einfach einen ruhigen Platz suchen und gut. Auch empfinde ich den ICE rein von der Fahrt her als ruhiger und angenehmer.

Angekommen in Bologna steht auch schon der Brenner-EC bereit. Auch wenn es ÖBB-Zugmaterial ist fühlt man sich gleich wie in Deutschland. ;-)

Was der Schnellzug zu schnell ist, ist der EC zu langsam. Der kommt ja gar nicht vom Fleck. Trotzdem, die Fahrt ist angenehm. Am Brenner kommt es zu einem ungeplanten Aufenthalt wegen Demonstrationen gegen die Grenzschließung. Gleise sind blockiert, Polizeieinsatz. Mit einer Verspätung von einer knappen halben Stunde geht's weiter.

In Österreich

Eigentlich endet der Zug in Rosenheim wegen Bauarbeiten. Die meisten steigen in Innsbruck (oder war es Kufstein?) aus, weil das Buchungssystem dann einen schnelleren Nahverkehrszug ausgerechnet hat. Ich habe ich Karten vor dem Einpflegen der Bauarbeiten gekauft, „muss“ daher im Zug bleiben. Irgendwann heißt es dann, der Zug fährt doch bis München durch wegen der Verspätung. Auch gut. In Rosenheim dann die Durchsage, dass Fahrgäste, die den Anschluss-ICE nach Berlin erreichen wollen, doch den Meridian nehmen sollen. Ich hatte es verpeilt, da ich nicht im Kopf hatte, dass das mein Zug ist. Als ich es dann begriffen hatte, wollte ich nicht mehr aussteigen, nicht dass am Ende sowohl der Meridian als auch der EC weg sind. Also blieb ich drin, erreichte meinen Anschlusszug natürlich nicht mehr. Das hat mich aber gar nicht gestört, die Umleitung verlief durch das wunderschöne Mangfalltal welches leider traurige Berühmtheit erlangte.

München Hbf

Ich hatte nur Angst dass ich jetzt den nächsten ICE nicht benutzen darf weil ich ja selbst schuld war, den Anschlusszug nicht erreicht zu haben. Aber der Zugbegleiter hat ohne zu murren die Zugbindung aufgehoben. Überhaupt, ich bin früher wenig Zug (Fernverkehr) gefahren, durch die ganzen Medienberichte hatte ich den Eindruck dass ein Zugbegleiter nur drauf wartet, dass man einen kleinen Fehler macht und dann gnadenlos abkassiert. Mein Eindruck ist eher das Gegenteil. Ich glaube die meisten Zugbegleiter sind froh, wenn man eine gültige Fahrkarte hat und nicht wegen irgendwelcher Lapalien rummosert oder bei einer Verspätung von 5 Minuten und einer Umsteigezeit von 30 Minuten gleich wissen will ob der Anschluss den noch klappt.

So war ich dann eine halbe Stunde später als geplant in Nürnberg. ICEs fahren um die Zeit ja noch jede Menge.

Obwohl ich bestimmt 2000 km unterwegs war, den kompletten Weg nur auf Schienen zurückgelegt hatte (vom SEV mit der FCE und der einen „Taxifahrt“ abgesehen) verlief bahntechnisch alles problemlos. Ich denke die italienische Bahn ist besser als ihr Ruf. Schön war's! Auch wenn ein Arbeitskollege mit dem Kopf geschüttelt hat als ich erwähnte, mit der Bahn nach Sizilien gefahren zu sein.

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