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In die Hauptstadt an der Spree entlang – #RadAmSpree

Diese Tour hätte es ohne Corona wohl so nicht gegeben. Nachdem seit März sämtliche Reisen und Hotelübernachtungen nicht möglich waren, kam nun die Zeit der sogenannten Lockerungen. Unter Auflagen durfte man wieder in Hotels übernachten, Restaurants waren wieder offen und Bahnfahren innerhalb Deutschlands war auch kein Problem mehr, wenn auch mit Maskenpflicht.

Insofern hatte ich eine Tour gesucht in einem Gebiet mit möglichst niedrigen Infektionszahlen und auch wo möglichst nicht alle hinfahren, so dass man problemlos noch kurzfristig ein Zimmer bekommt. Warum also nicht in den von Corona weitgehend verschonten Osten? Eine Route war schnell gefunden, der Spreeradweg vom Erzgebirge in die Hauptstadt durch Sachsen, Brandenburg und eben Berlin.

Es war nicht meine erste Radreise aber die erste mit Drahtesel ohne Elektroantrieb, meinem (wegen der grünen Farbe) sog. Grashüpfer. Um flexibel zu bleiben hatte ich nur die Hinfahrt gebucht und keine Übernachtungen.

Die Reise sollte unter dem Hashtag #RadAmSpree stattfinden, schuld war der @gruenversiffter, der den Hashtag vorgeschlagen hat.

Samstag: Hinfahrt

Los ging's am Samstag im ICE nach Leipzig, von dort dann nach Dresden – das ist angenehmer als über Hof im 612er zu fahren, wenn auch zeitlich ungefähr gleich. In Dresden folgt dann eine Übernachtung, am nächsten Tag nochmal mit dem Zug nach Ebersbach-Neugersdorf  zur Spreequelle.

Weil ich eh erst am Nachmittag losgefahren bin hatte ich noch genug Zeit direkt nach Erlangen zu radeln um mir die S-Bahn und den Umstieg zu sparen. Dann kam der Schock: Es fährt eine Ersatzgarnitur ohne Fahrradplätze. Die Bahn hatte aber Abteile für die Fahrräder vorgesehen, ich wurde gleich in Empfang genommen und mein Fahrrad durfte Platz nehmen. Es sollte – entgegen der Reservierungliste – das einzige Fahrrad bleiben.

Fahrrad im Abteil

In Leipzig gab's noch ein kurzes Twitter-Treffen mit @ichbinreis, der Ausstieg dann in Dresden-Neustadt, ein sehr schöner Bahnhof.

Dresden-Neustadt

Dieser Ortsteil hat gar nicht so recht in mein bisheriges, konservatives Bild von Dresden gepasst. Aber irgendwie von Bayern dann ein kleiner Corona-Schock: Reges Kneipenleben. Erstmal ins Hostel Mondpalast, wo ich ein Zimmer reserviert hatte. Etwas chaotisch, die erst hat sie ewig gebraucht, dann kannte sie sich nicht aus, dann erfuhr ich dass es das Frühstück erst um 9 Uhr gibt – zu spät, ich lasse es mir zurückerstatten. Immerhin das Zimmer ist in Ordnung. Danach ging ich in Richtung Elbe, wo auch schon die Sonne unterging.

Elbe in Dresden

Sonntag: Zur Spree

Am Sonntag – das Wetter ist trüb aber immerhin trocken – geht's also erstmal mit dem Zug zur Spreequelle. Da noch etwas Zeit ist fahre ich direkt an den Hauptbahnhof und komme dabei an diesem Gebäude, der Yenidze vorbei – keine Moschee, keine Synagoge sondern eine ehemalige Tabakfabrik. Anfang des 20. Jahrhunderts bestand in Dresden die Vorschrift, im Weichbild des Zentrums, zu dem dieses Areal gehörte, kein Fabrikgebäude zu errichten, das als solches erkennbar war. Auch deswegen wollte Zietz auf dem Grundstück direkt an der Eisenbahntrasse unweit der Dresdner Innenstadt ein orientalisierendes Gebäude errichten, das einerseits dieser Forderung entsprach und gleichzeitig auch ein einprägsames Werbemonument für seine Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik „Yenidze“ sein sollte.

Yenidze

Die Fahrt nach Ebersbach erfolgt im Trilex, der Dreiländerbahn (Deutschland, Tschechien, Polen). Eberbach selbst ist dann aber schon ein wenig trostlos.

Bahnhofsgebäude in Ebersbach

Zur Spreequelle geht's in den Wald, erstmal kräftig bergauf. Es sollte die einzige stärkere, längere Steigung auf der ganzen Tour werden. Sonderlich beeindruckend finde ich diese Flussquellen irgendwie trotzdem nicht.

Die Spreequelle in Ebersbach
Die Spreequelle aus der Ferne

Leider befinden wir uns noch in der Zeit der geschlossenen Grenzen in Europa.

Geschlossene Grenze zu Tschechien

Leider gelingt es mir nicht, etwas Nahrung zu beschaffen. Bäckerein sind sonntags hier geschlossen, Tankstellen gibt es wegen der Nähe zur tschechischen Grenze keine. Im Gepäck habe ich noch zwei Müsliriegel. Das Wetter ist trüb, die Landschaft trist, meine Stimmung ziemlich mau. Am Nachmittag lockern die Wolken auf, die Landschaft wird abwechslungsreicher und mit ihr dann meine Stimmung auch besser.

Die noch junge Spree
Die Himmelsbrücke
Stausee
Schirgiswalde

Kurzer Zwischenstopp in Schirgiswalde, dort buche ich dann auch telefonisch ein Zimmer in Bautzen, meinem heutigen Zwischenstopp.

Stillgelegte Eisenbahnbrücke
Noch ein kurzer Weg durch den Wald und es ist geschafft

Meine Pension Zum Handtuch liegt mitten in der Stadt am Marktplatz in einem sehr schmalen Haus, daher auch der Name.

Pension „Zum Handtuch“

Erstmal eine Stunde ausruhen und dann eine kleine Stadtbesichtigung. Das was ich bis jetzt von der Stadt gesehen habe ist entzückend, ich bin gespannt.

Hauptmarkt
Dom St. Petri
Nicolaifriedhof
Sorbisches Museum

Am Nicolaifriedhof denke ich mir dass die Sicht von der anderen Spreeseite ja noch viel schöner sein muss. Etwas beschwerlich der Weg dorthin, Bautzen ist ziemlich hügelig.

Die Spree
Blick von der anderen Spreeseite
Blick von der Friedensbrücke
Sonnenuntergang
Rathaus

Zufrieden und vor allem hundemüde schlafe ich ein. Bautzen ist wirklich schön, ich bin absolut positiv überrascht. Auch die Menschen sind nett, wie eigentlich überall auf meiner Reise im Osten.

In der Oberlausitz

Genauso sonnig wieder Tag zu Ende ging beginnt er wieder. Frühstück gibt es in der Pension leider keines – wegen Corona – aber da ich mitten in der Innenstadt bin ist es kein Problem, ein Café zu finden und draußen zu frühstücken. Bevor ich die Stadt verlasse komme ich noch am Stasi-Gefängnis vorbei, weswegen die Stadt leider auch bekannt ist.

Gedenkstätte Bautzen

Nach dem Verlassen der Stadt fährt man an einem Stausee vorbei. Anschließend kommt eine Mischung aus Wald und Seen, ingesamt eine sehr schöne, abwechslungsreiche Landschaft, wenn natürlich auch nicht so spektakulär wie im Gebirge. Aber auch nicht so anstrengend, es ist recht flach. Ich fahre einen kleinen Umweg über den Olbasee, einfach weil ich dort einen Imbiss vermute und ich hunger hatte. Was mir auffällt: Man geht ungezwungener mit FFK- und Nicht-FFK um.

Stausee nach Bautzen
Allee
Lavendelfeld
Ehemaliges Schloss

Eine Besonderheit der ganzen Lausitz: Die Bildschilderung ist zweisprachig: Deutsch und Sorbisch. Ich wusste zwar dass es diese Sprache gibt, aber dass das zweisprachige Gebiet so groß ist war mir dann doch neu. Am Nachmittag komme ich noch am Bärwalder See vorbei, dem drittgrößten des Lausitzer Seenlandes. Es handelt sich um künstliche Seen, die durch den Braunkohletagebau entstanden sind. Dort habe ich eine kleine Pause eingelegt.

Bärwalder See
Kapelle am Friedhof in Sprey

Die letzten 20 Kilometer fährt man an einem Truppenübungsplatz vorbei: Radweg an einer Bundesstraße, ziemlich viele Äste und daher holprig, kein Handyempfang, man kommt sich vor wie im Niemandsland. Zum Schluss geht's dann aber durch den Wald bis nach Spremberg – ich befinde mich nun nicht mehr in Sachsen sondern in Brandenburg.

Spree

Die Pension hatte ich telefonisch gebucht, ich hatte wieder mal totales Glück. Für unter 50 € ein superschönes Einzelzimmer unterm Dach mit neu renoviertem Bad, direkt in der Innenstadt. Frühstück gibt's dort auch. Am Abend gucke ich mir natürlich wieder die Stadt an, obwohl ich von der heutigen Etappe mit 88 km Länge mehr als müde bin.

Spremberg
Mühlenwerk
Bismarckturm in Spremberg – leider schon geschlossen
Bahnhof, ziemlich außerhalb gelegen
Mein Zimmer

Cottbus und Gewitter

Die heutige Route wird zweigeteilt werden: Zunächst nach Cottbus, dort ein längerer Aufenthalt und dann hatte ich geplant, bis Burg zu fahren. Der erste markante Punkt ist die Talsperre Spremberg. Bis jetzt zeigt sich meine Radreise erstaunlich ereignislos: Keine Panne, keine Katastrophe, einfach ein ruhiges Fahren in schöner Landschaft.

Talsperre Spremberg

In Cottbus kündigt sich ein Gewitter an. Mein Plan: Zum Bahnhof, Rad abstellen, Gepäck einschließen, was essen, das Gewitter abwarten und etwas die Stadt erkunden.

Cottbus Hauptbahnhof

Ich ziehe mir ein Tagesticket für die Straßenbahn und düse in die Stadt. Die alten Straßenbahnen gefallen mir sofort.

Tatra-Straßenbahn in Cottbus

Cottbus hat ne echt nette Innenstadt, leider ist das Fotografieren immer etwas schwierig wenn die Gebäude so eng aneinander stehen.

Kirche in Cottbus
Spremberger Turm in Cottbus
Altes E-Werk
Schloss

Ich muss die Stadt wieder verlassen, es ist mittlerwiele wieder sonnig, aber schwül. Ich fahre durch die Spreeauen.

Spreeaue

Leider zieht grad ein Gewitter auf. Ich schaff's gerade noch, mich in einen Unterstand zu flüchten. Dieser befindet sich am Rande des Cotbusser Ostsees, der gerade im Entstehen ist. Obwohl es auch am Unterstand regnet, so bleibe ich doch von größeren Wassermassen verschont. Meinen Plan, noch nach Burg zu radeln, begrabe ich aber und buche mir eine Unterkunft in Peitz im Spreewald am Rande von Teichen. Die letzte Etappe geht dann mitten durch die Teiche über super asphaltierte Wege.

Spreewald

Als mir das Zimmer gezeigt wird, bin ich erstmal entzückt. Man achte auf die Fahrrad-Details.

Zimmer in der Ostsee Radlerpension Peitz

Wie immer noch ein kleiner Abendspaziergang durch die Gegend. Das Gewitter ist längst vorbei, die Luft ist sehr angenehm frisch.

Braunkohlekraftwerk
Festung mit Fischereimuseum
Diese Straßen mit Betonplatten werden wohl auch Honeckerparkett genannt
Leider kann man auf einem Bild keine Gerüche transportieren
Bahnhof wieder aus Backstein, links der Wasserturm

Durch den Spreewald

Der Tag beginnt wieder sonnig, das erste Ziel ist Burg. Ich befinde mich nun im Spreewald, durchaus ein Urlaubsgebiet. Verbreitet sind hier die Kanutouren über die vielen Kanäle, die angelegt wurden, um das Gebiet trockenzulegen – siehe Biosphärenreservat Spreewald.

Der erste Zwischenfall: Ich merke 10 km später dass ich den Schlüssel vom Zimmer noch in der Hosentasche habe. Das Problem ist schnell telefonisch gelöst: Der Besitzer hat in Burg eine weitere Pension wo ich den Schlüssel einfach abgeben kann. Den Weg nochmal zurückfahren wäre jetzt unpraktisch gewesen.

Zunächst fahre ich kurz auf einer ehemaligen Bahntrasse bis ich dann den Bismarckturm in Burg entdecke und auch erklimme. Die Aussicht ist aber nicht wirklich was besonderes, man sieht eigentlich vor allem Wald.

Bismarckturm in Burg
Hafen in Burg
Arm der Spree

Und weil hier Kanus fahren sind die ganzen Brücken über die vielen Kanäle und Äste der Spree alle mit Treppen versehen, was für Radfahrer etwas unpraktisch ist. Ab und zu trifft man auf Schleusen. Aber ne nette, entspannte Gegend. Spreewaldgurken werden auch üíerall verkauft. Corona ist hier nicht so präsent, aber die Fallzahlen sind auch deutlich niedriger. In Cottbus, einer Stadt mit über 100000 Einwohnern, kein einziger Toter, ca. 50 Fälle.

Schloss Lübbenau
Innenstadt in Lübbenau

Lübbenau ist mir dann tatsächlich etwas zu touristisch, zu voll. Aber das ändert sich sofort wieder, sobald man aus der kleinen Stadt wieder draußen ist. Leider muss ich eine Umleitung fahren der zudem noch sehr grob geschottert ist, zu grob für ein Trekkingrad. Nicht schön. Hätte ich es gewusst wäre ich wohl etwas anders über normale Straßen gefahren, aber wegen der vielen Kanäle ist das teilweise gar nicht so leicht, es gibt nicht so viele Wege weil jeder Weg Brücken braucht.

Gegen 17 Uhr komme ich endlich in Lübben an, habe aber noch keine Unterkunft. Ich rufe in der Jugendherberge an, die etwas außerhalb, aber direkt am Radweg (auf der anderen Seite der Spree, deshalb bin ich auf der Hinfahrt nicht vorbeigekommen) liegt. Es ist noch was frei, perfekt. Mein Zimmer geht direkt zur Spree hin, es gibt sogar eine Bootsanlegestelle. Zelten könnte man auch. Gefällt mir gut hier, auch wenn das Gebäude irgendwie nach 70er Jahre aussieht und auch riecht. Die Möbel sind aber neuer.

Lübben (nicht zu verwechseln mit Lübbenau)
Stadtpark auf einer der vielen Inseln

Ich muss sagen, mir gefällt's wirklich. Sehr entspannt, die Leute sind freundlich.

Das war mal ein Freibad, man hat die Becken einfach so gelassen – hat was von „lost places“

In the middle of nowhere

Damit ich mein Ziel Berlin doch noch erreiche – ich bin etappemäßig hintendran –, beschließe ich, eine Abkürzung zu fahren. Statt an der Spree entlang geht's ziemlich direkt nach Fürstenwalde, das spart ungefähr 20 Kilometer ein. Zunächst befinde ich mich aber noch am Spreeradweg, der in diesem Teil sehr gut ausgebaut ist und wird. Kein Vergleich zu dem Schotterumweg im Spreewald.

Nachteil: Ich fahre mitten durch's Niemandsland. Es ist ziemlich windig, was auf Dauer mehr nervt als Hügel. Es ist noch trocken, aber bewölkt und am Nachmittag soll's regnen. Insgesamt der schlechteste Tag meiner Tour was meine Stimmung betrifft. Es ist einfach langweilig hier zu fahren.

Alt-Schadow

In Wendisch-Rietz wird's dann aber wieder interessanter, ich komme am See entlang an einer Bahnstrecke vorbei. Ich fühle mich wieder wie in der Zivilistation angekommen.

Ein Zug!
Alpakas
Schaut sehr nach einer alten Bahntrasse aus – leider sieht man vom See kaum was

In Fürstenwalde angekommen beginnt es zu regnen. Ich brauche ein Zimmer, leider hat booking.com nicht wirklich was günstiges. Ich gehe in die Touristeninformation, die günstigen sind leider tatsächlich ausgebucht aber die Dame kann mir einen Sonderpreis im einzigen Hotel verhandeln, eine sog. Radlerpauschale.

Das Zimmer – das Bett ist so bequem wie es aussieht

Es regnet am Abend, aber nicht sehr stark. Abendessen gibt's heute was indisches, wirklich sehr lecker und ein netter Wirt. Trotz Regen sitze ich draußen, Corona, sicher ist sicher. Ich treffe noch zwei Radler aus Nürnberg, die aber schon weggehen wenn ich komme. Hätte mich interessiert was sie für ne Strecke fahren.

Rathaus Fürstenwalde
Reste der Stadtmauer

Ich entscheide mich für eine Rückfahrt am Samstag und buche telefonisch über BahnTix eine Fahrradkarte. Leider gibt es im ICE keine freien Plätze mehr, ich muss irgendwie stückeln oder auf gut Glück fahren. Unbefriedigend. Aber wenigstens die Fahrradkarte hab ich schonmal

Auf nach Berlin

Das Wetter ist wieder bewölkt, kalt, windig aber erstmal trocken. Ich gehe noch zum Bahnhof um vielleicht doch für eine Teilstrecke eine Reservierung zu ergattern. Es gibt kein DB Reisezentrum sondern eine private DB-Agentur, aber die Dame stellt eindeutig die meisten Reisezentren in den Schatten. Die Software schaut anders aus, aber funktioniert nach meinem Eindruck sogar schneller. Ich bekomme wenigstens noch eine Teil-Reservierung von Berlin nach Leipzig, muss aber dort in den Nahrverkehr umsteigen. Immerhin gibt es ja einen direkten Regionalzug, der aber ewig braucht. Nun buche ich auch dort das eigentliche Ticket. Die Rückfahrt ist damit in trockenen Tüchern.

Der erste Teil der Strecke ist ziemlich belanglos. Man fährt auf guten Wegen viel in der Natur, es ist flach. Auf dem ganzen Weg komme ich auch auf vielen Plätzen vorbei, wo man legal „wild“ zelten kann, wenn man mit dem Rad oder per Boot unterwegs ist. Großartige Sanitäranlagen gibt es natürlich keine. Trotzdem bekomme ich wieder Lust auf eine Zelttour, das Zelt habe ich ja sogar schon, aber das wird sich später im Laufe des Sommers dann ergeben.

Ich find's immer schön auf dem Weg Pferde, Schafe oder auch Alpkas zu entdecken
Die Spree ist ganz schön angewachsen
Rathaus in Erkner

Der erste größere Ort heißt Erkner, es ist unglaublich viel (Auto)verkehr. Es folgt ein größerer Wald vor Berlin um den Müggelsee. Die Wege im Wald sind unglaublich gut ausgebaut (Asphalt).

Haus mit Bootanschluss – arme Leute wohnen hier bestimmt nicht
Müggelsee

Nun erblicke ich Köpenick, ich bin also in Berlin angekommen. Sehr schöner Stadtteil! Ich muss sofort an den Hauptmann von Köpenick denken. Ein kurzer Schauer, aber der ist gleich wieder vorbei. Leider weiß ich jetzt noch nicht, dass ich noch einige Kilometer bis zum Hauptbahnhof vor mir habe, wo meine Unterkunft sich befindet.

Berlin-Köpenick
Schloss Köpenick, leider etwas schief geworden
Blick auf Köpenick – der Fluss ist nicht die Spree sondern die Dahme, die hier in die Spree fließt

Ich folge der offiziellen Beschilderung des D3-Wegs, der durch Berlin führt. Plötzlich bin ich verwirrt – ich stehe an der Spree und ich sehe keine Brücke. Habe ich mich verfahren? Nein, es gibt eine Fähre! Nett gemacht! Ich dachte eigentlich dass ich ein Ticket bei der Fahrerin lösen kann, doch wegen Corona werden Tickets nicht verkauft. Ich soll die App benutzen? App – welche App? Ich installiere mir doch nicht bevor ich in eine Stadt komme die jeweilige App des ÖPNV prophylaktisch. Allerdings gab mir dann die Fahrerin den Tipp dass der DB Navigator auch BVG-Tickets verkauft, damit war das Problem gelöst und alle waren glücklich.

Spree-Überfahrt als Teil des D3-Radwegs

Von der Oberbaumbrücke hat man einen wunderbaren Ausblick in beide Richtungen. Wie man sieht ist das Wetter wieder besser geworden, kein Regen mehr in Sicht.

Berlin
Und die andere Seite mit dem Fernsehturm
Reste der Berliner Mauer

Es ist schon nach 17 Uhr, ich will langsam ankommen. Zimmer ist aber reserviert, insofern noch entspannt. Ich folge nicht mehr sklavisch der Beschilderung sondern fahre nach Handy, aber ungefähr den Weg entlang der Spree. Ich komme an einigen der bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei.

Marienkirche und Fernsehturm
Berliner Dom
Durch's Brandenburger Tor mit dem Fahrrad

Ich beziehe mein Zimmer im Jugendgästehaus Berlin-Hauptbahnhof – habe ich bei der Bett & Bike Liste des ADFC gefunden und kann ich empfehlen. Ich durfte sogar das Fahrrad mit aufs Zimmer nehmen. Noch sicherer kann man es nicht abstellen.

Anschließend hatte ich einen mächtigen Hunger und habe am Hauptbahnhof eine Currywurst vertilgt. Frisch gestärkt noch ein kleiner Spaziergang.

Berlin Hauptbahnhof
Spree und Kanzleramt
In der Nähe der Stasi-Gedenkstätte Moabit

Und zurück

Der nächste Tag startet wird wieder sonnig, allerdings geht es ja leider schon wieder nach Hause. Davor treffe ich mich noch mit einem Twitterer bei der Gedenkstätte der Berliner Mauer, die ich sehr empfehlen kann. Leider haben sich unsere Sichtweisen auf die DDR-Geschichte nicht vertragen.

Als Westtdeutscher wird einem ja sofort abgesprochen, dazu eine Meinung zu haben. Dazu muss ich aber sagen dass ich schon mit verschiedenen Ostdeutschen über dieses Thema gesprochen habe. Und wenn mir eins augefallen ist: Je jünger die Leute waren, also je weniger sie überhaupt die DDR erlebt haben und sie selbst auch nur aus Erzählungen kannten, desto positiver haben sie die DDR gesehen. Das sagt mir dass meine kritische Sicht vielleicht doch nicht so falsch sein kann.

Ich spreche in keinster Weise den DDR-Bürgern ihre Lebensleistung ab. Aber es war nunmal eine Diktatur, und daran gibt es nichts schönzureden. Ein Staat, welcher die Bürger einsperren muss, welcher sie notfalls mit Waffengewalt daran hindert, das Land zu verlassen, kann eigentlich nur scheitern. Jugoslawien hat ja durchaus gezeigt dass es möglich ist, einen etwas anderen Kommunismus mit Reisefreiheit unter einen Hut zu bringen, auch wenn das Modell letztlich auch gescheitert ist und es auch eine Diktatur war.

Ich bin der letzte der den Kapitalismus mit seinen Auswüchsen gut heißt, aber ich bin auch ein freiheitsliebender Mensch. Ich möchte mir von keinem vorschreiben lassen, wie ich mein Leben zu leben habe – weder vom Staat, noch von einer Religionsgemeinschaft, noch von der eigenen Familie. Insofern kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, woanders als in „westlichen Demokratien“ wie in Europa oder Kanada freiwillig zu leben.

Ich habe nichtmal ein Problem damit, dass andere Leute es anders sehen. Ich habe nur ein Problem damit, dass andere Leute mir mein Recht absprechen, die Dinge so zu sehen wie ich sie sehe – denn das ist respektlos. Und letztlich auch genauso wie die DDR agiert hat – Meinungsdiktatur.

Reste der Berliner Mauer
Wachturm an der Berliner Mauer

Mit dem Fahrrad fahre ich dann zum Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen, erstens ist das von der Mauergedenkstätte näher und zweitens beginnt dort mein ICE, der Einstieg ist also etwas entspannter als im Berliner Tiefbahnhof.

In Leipzig endet meine Fahrt im ICE, dort fahre ich noch kurz in die Stadt und eine Stunde später geht's dann im Regionalexpress mit gefühlt 50 Zwischenhalten durch das Saaletal nach Fürth(Bay) Hbf, von wo ich die letzten 5 Kilometer nach Hause radle.

Fazit

Was soll ich sagen? Es hat alles gut geklappt, ich habe eine sehr abwechslungsreiche Landschaft erlebt. Am besten gefallen haben mir die beiden Städte Bautzen und Cottbus gefallen – Bautzen aufgrund der hügeligen Lage noch etwas besser. Durch die Badeseen hat die Region finde ich auch einen hohen Freizeitwert. Lust hätte ich, irgendwann mal den Froschradweg zu fahren – alleine schon weil mir die Beschilderung gefällt. Und weil ich diese Rakotzbrücke in Kromlau unbedingt mal sehen will.

Wer einen falchen Radweg sucht und noch nie im Osten war, dem kann ich diese Tour nur wärmstens empfehlen. Und Berlin ist auf jeden Fall ein schönes Ziel, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt in dieser großen Stadt wohnen möchte.

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