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OpenType Features in Libreoffice

Ich bin zwar Softwareentwickler eher im systemnahen Bereich, allerdings interessiere ich mich schon immer so nebenbei für das Thema Schriften und Textsatz.

Neulich bin ich auf ein für mich neues Thema aufmerksam geworden: OpenType Features. OpenType ist ein faszinierendes Schriftformat:

  • endlich ein Format für alle Plattformen (Linux, Windows, Mac OS) ­ wobei TrueType ja auch schon seit langem auf allen Plattformen unterstützt wird
  • vollständige Unicode-Unterstützung
  • eine Datei, keine zusätzlichen Dateien mit Metadaten (wie Type1)
  • erweiterte Möglichkeiten beim Textsatz wie automatische Ligaturen und Zeichendesigns in Abhängigkeit vom Kontext ­ als Beispiel sei die bei Mac OS mitgelieferte Schrift Zapfino genannt

Nun hat man ja normalerweise eine Schrift in verschiedenen Schriftschnitten vorliegen, üblicherweise wenigstens in Normal, Fett, Kursiv und Fett-Kursiv. Oftmals gibt es aber Details an einer Schriftart, die der jeweiligen Situation angepasst werden soll, ohne jetzt gleich eine eigene Schrift zu entwerfen. Ein Beispiel sind echte Kapitälchen. Zwar verfügen die meisten Textverarbeitungen über die Möglichkeit, diese zu emulieren, das Ergebnis überzeugt aber nicht wirklich:

Der Unterschied: Bei den emulierten Kapitälchen sind die Striche bei den „Kleinbuchstaben“ etwas dünner, bei den echten genauso dick. So wie es sein sollte.

Wollte man nun für die Kapitälchen einen eigenen Schriftschnitt anbieten, so müsste man das Ganze wiederum ausmultiplizieren: Aus den vier genannten würden acht.

Ein weiteres Beispiel sind Mediävalziffern: Dabei werden die Schriften teilweise wie Kleinbuchstaben geschrieben, damit sie sich harmonischer in Fließtext einfügen. Solche wird man weniger bei der Steuerklärung verwenden sondern eher bei Prosa-Text. (Das Problem ist dass ich die Beispiele als Screenshot einstellen muss, was insbesondere bei hochauflösenden Notebooks schlechter aussieht als der eigentliche Text.) Um nicht wieder eine getrennte Schrift zur Verfügung stellen zu müssen oder die Ziffern als Sonderzeichen verwalten zu müssen (was man früher gerne getan hat) kann man nun mit den OpenType Features arbeiten. Hierbei handelt es sich einfach um Attribute, die man in der Software ein- und ausschalten kann.

Seit geraumer Zeit beherrscht LibreOffice auf allen Plattformen den Umgang damit, allerdings ist das Ganze schlecht dokumentiert und es gibt außer einer Erweiterung keine grafische Oberfläche. Stattdessen muss man einfach die Attribute in das Namensfeld der Schrift eintragen. Immerhin wird das Attribut gleich im Vorschaufeld angewandt:

Leider gibt es keine Möglichkeit herauszufinden, welche Attribute unterstützt werden. Es hilft nur Ausprobieren. Die meisten Schriften unterstützen gar keine. Die freie Schrift Linux Libertine unterstützt sehr viele.

Hier die gängigsten:

Attribut Bedeutung
smcp Kapitälchen
onum Kapitälchen
pnum Proportionalziffern

Eine gute Dokumentation über das Feature in LibreOffice: Using OpenType Features in LibreOffice.

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