Winterwandern auf der Rigi

Rigi? Die Königin der Berge!

Die Rigi ist immer eine Reise wert, aber im Winter ist sie nochmal ganz besonders schön, wenn man Wetterglück hat. Ich bin Anfang Januar für ein paar Tage in die Schweiz gefahren um etwas Ruhe zu finden, um die winterliche Landschaft zu erleben und nicht zu letzt um die Rigi-Bahnen mal zu fahren.

Das schöne im Winter auf der Rigi sind die gespurten Winterwanderwege, so dass man auch ohne Ski oder Schneeschuhe unterwegs sein kann. Grödel (Spikes zum Aufziehen unter die Schuhe) sind allerdings immer empfehlenswert wenn man sie zumindest dabei hat.

Die Rigi ist ein Bergmassiv zwischen dem Vierwaldstättersee, dem Zugersee und dem Lauerzersee in der Zentralschweiz. Höchster Gipfel ist mit einer Höhe von 1797 m Rigi Kulm, ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Die tolle Lage und die gute Erschließung durch die Rigibahnen machen die Rigi zu einem beliebten Ausflugsziel. Aber keine Angst: Es gibt auch ruhige Ecken. Die meisten Touristen fahren nur mit der Bahn hoch, machen ein paar Fotos, essen was und fahren wieder runter.

Kleiner Spoiler:


Anreise mit Zwischenstopp in Rottweil

Ich reise normalerweise in die Schweiz über die Gäubahn, also über Stuttgart und Singen. Die Intercity-Züge auf der Strecke sind für die Benutzung mit Nahverkehrsticket, auch Deutschlandticket, freigegeben. Die eigentliche Fahrkarte kaufe ich erst ab Singen. Dadurch ergeben sich meistens sehr günstige Sparpreise, auch kurzfristig.

Der Nachteil dieser Verbindung ist allerdings, dass sie sehr verspätungsanfällig ist. Ich habe dann irgendwann aus der Not eine Tugend gemacht und irgendwo auf dieser Strecke eine zusätzliche Übernachtung eingeplant. Dadurch lernt man neue Städte kennen, das Reisen wird stressfreier und vor allem wollte ich ja auch die Bergstrecke bei Tag zurücklegen, also deutlich vor 17 Uhr ankommen.

Dieses Mal sollte es Rottweil werden, die älteste Stadt Baden-Württembergs, 80 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Zwischen Ansbach und Stuttgart habe ich der Bequemlichkeit halber trotzdem den IC gebucht. Normalerweise fahren da IC2-Züge (die sog. „Teppich-REs“), allerdings wurde dieser eben in dieser Verbindung spontan durch einen ICE ersetzt.


ICE in Ansbach

Die Ankunft in Rottweil war dann pünktlich kurz vor 16 Uhr. Zum Hotel ging es erstmal etwas den Berg hoch. Es war so wenig los, dass die Rezeption nicht besetzt war, ich musste vorher online einchecken. Das Schloss ließ sich über eine Website öffnen.


Bahnhof in Rottweil

Leider wird es Anfang Januar doch sehr schnell dunkel, so dass der kleine Stadtrundgang dann komplett in der Nacht erfolgen musste. Das iPhone stellt diese Nachtaufnahmen etwas zu hell dar. Leider bin ich auch kein Nachbearbeitungsprofi, insofern bleibt es dabei. Einen Eindruck bekommt man trotzdem.


Kapellenkirche (Rottweil)


Altstadt in Rottweil


Schwarzes Tor in Rottweil

Es war gar nicht so einfach am Abend des Neujahrstages etwas zu essen zu finden. Fast alles geschlossen, die Öffnungszeiten auf Google haben nicht gepasst. Immerhin habe ich aber zum Schluss eine sehr leckere Pizzeria gefunden.

Auf in die Schweiz

Im Hotel hatte ich dann noch das Fehlen meiner Handschuhe bemerkt. Die lagen wohl zu Hause. Für Winterwanderungen nicht die beste Voraussetzung. Glücklicherweise erschien gleich am Morgen eine Push-Nachricht des DB Navigators, dass die geplante Verbindung so nicht fahrbar ist. Ich war darüber tatsächlich froh, Zugbindung aufgehoben, ich konnte also vorher noch neue Handschuhe in Deutschland kaufen. Bei einer bekannte Kaffeeröstereikette wurde ich für 10 Euro fündig.

Das hat mir noch einen Stadtrungang bei Tageslicht ermöglicht. In der Nacht hat es etwas geschneit, aber nicht viel. Interessant fand ich die Jugendherberge direkt neben dem Gefängnis. Die JVA Rottweil wird aber in einem Jahr geschlossen und durch einen Neubau auf der „grünen Wiese“ ersetzt. Vielleicht kann man dann ja die Juggendherberge um Zellen erweitern, wer weiß.


JVA Rottweil, daneben die Jugendherberge

Dann noch einen Spaziergang durch Rottweil bzw. dann weiter unten am Neckar. Die Stadt liegt nämlich etwas am Hügel, gefällt mir daher ingesamt sehr gut. Am Neckar wird gerade das Landesgartenschaugelände gebaut. Im Endeffekt habe ich leider den nächsten Zug auch verpasst, so dass der Spaziergang etwas ausgedehnt wurde und ich letztendlich zwei Stunden später als geplant aufgebrochen bin. Das Ziel, die Rigi bei Tageslicht zu erreichen, war aber nicht in Gefahr. Hat mir super gefallen die Gegend und macht Lust auf mehr, beispielsweise mit dem Fahrrad im Sommer. Nett wäre noch dieser große Aufzugstestturm mit Aussichtsplattform gewesen, angesichts des doch sehr trüben Wetters hat mich der Umweg aber nicht so gereizt.


Blick auf Rottweil


Blick durch die alte Hochbrücke auf das Landesgartenschaugelände

Jetzt aber los. Es ist kurz vor Mittag. Der IC nach Zürich ist leicht verspätet aber er fährt. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle, kurz nach 14 Uhr treffe ich in Arth-Goldau ein, einem der Talorte der Rigibahnen.

Ich verwende Rigibahnen im Plural. Dazu jetzt erstmal etwas Erklärung, es gibt nämlich zwei Bahnstrecken, die historisch auch von unterschiedlichen Gesellschaften betrieben wurden. Beide Strecken sind in Normalspur aber als Zahnradbahn ausgeführt, auch etwas ungewöhnlich, nachdem die meisten Zahnradbahnen im Gebirge Schmalspurbahnen sind. Wie in der Schweiz üblich sind auch die Rigibahnen elektrifiziert, und zwar mit 1,5 kV Gleichstrom.

  • Die Arth-Rigi-Bahn (ARB) führt von Arth-Goldau am Zugersee zum Rigi Kulm (also dem Gipfel). Die gleichzeitig als reine Adhäsionsbahn eröffnete Strecke von Arth am See bis Arth-Goldau wurde als Überland-Straßenbahn getrennt betrieben und bereits Ende August 1959 eingestellt.
  • Die Vitznau-Rigi-Bahn (VRB) führt von Vitznau am Vierwaldstättersee zum gleichen Gipfel. Den Abschnitt von Rigi Staffel bis zu Rigi Kulm teilen sich beide Bahnen.
  • Die dritte im Bunde, die Rigi-Kaltbad-Scheidegg-Bahn (RSB) wurde schon 1931 stillgelegt und 1942 abgebaut. Heute befindet sich auf der Trasse ein Wanderweg. Die Strecke konnte nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Empfehlenswert ist der Wikipedia-Artikel zu den Rigi-Bahnen sowie die Folge Die Rigi – Zwei Bahnen auf einem Berg (1061) der Eisenbahnromantik.

Zur Anreise mit der Bahn bietet sich Arth-Goldau an, Vitznau ist lediglich per Bus erreichbar. Alternativ kann man aber auch mit dem Schiff von Luzern nach Vitznau fahren und von dort mit der Bahn fahren. Und last but not least existieren verschiedene Seilbahnen.

Anreise wohin eigentlich? Ich hatte mich dazu entschlossen, eben nicht in einem der Talorte zu nächtigen sondern auf halber Höhe, nämlich in Rigi Kaltbad. Das ist ein kleines autofreies Dorf auf ca. 1.450 m Höhe, natürlich praktisch ausschließlich touristisch genutzt. Immerhin gibt es neben Ferienwohnungen und anderen Wohnungen einen Sportladen, einen Dorfladen mit Post, das (eigentlich warme) Kaltbad und eben die Bahn und Seilbahn (nach Weggis). Ich hatte für drei Nächte ein Zimmer im bed and breakfast „be and mee“ gebucht, der Preis für ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad war deutlich unter 100 Franken.

Bevor ich in die Rigibahn eingestiegen bin, musste ich allerdings noch zwei Dinge erledigen:

  • Geld abheben, in der Pension nimmt man nämlich nur Bargeld neben TWINT.
  • Ein Ticket für die Rigibahn kaufen. Wenn man am Berg übernachtet bekommt man 50 % Rabatt auf alles. Ich hatte ein Viertagesticket für 96 Franken gekauft. Das Ticket gilt in den beiden Rigibahnen aber auch in den Seilbahnen Weggis – Rigi Kaltbad & KräbelRigi Scheidegg. Das amortisiert sich schnell.

Für Tagesausflügler habe ich aber eine andere Empfehlung: die Rigi Bahnen Tageskarte BahnBonus für aktuell knapp 47 Franken. Man braucht dafür eben keine richtige BahnCard sondern muss nur am BahnBonus-Programm der Deutschen Bahn teilnehmen, was nichts kostet, also im Endeffekt nur einen Account bei der Deutschen Bahn besitzen.

Vom „normalen“ Bahnhof der SBB in Arth-Goldau zum Bahnhof der Arth-Rigi-Bahn läuft man ein paar Minuten über den Busbahnhof am Vorplatz.


Bahnhof der Arth-Rigi-Bahn


Rigi-Kuh – diese wird einem hier in allen Größen öfter begegnen

Von den Rigi-Triebwagen gibt es im wesentlichen zwei Varianten: die alten (rot und blau) fahren auf der Arth-Rigi-Bahn, die neuen (im wesentlichen weiß mit gold) fahren auf der Vitznau-Rigi-Bahn. Wobei leider auch auf der Arth-Rigi-Bahn die Tage der alten Triebwagen gezählt sind.


Alte Triebwagen der Arth-Rigi-Bahn

Erstmal folgt jetzt Ernüchterung: auch oben liegt praktisch kaum Schnee. Einerseits angenehm zum Wandern, andererseits jetzt nicht das, was ich mir im Winter so vorgestellt habe. Hmpf. Der Wetterbericht der nächsten zwei Tage ist auch schwierig. So richtig können sich die Wetter-Apps nicht einigen. Und damit meine ich nicht Apple und Google sondern SRF Meteo, Meteoblue, MeteoSwiss und der Bergwetterbericht der Alpenvereine, also die qualitativ guten für die Schweiz. Spoiler: so richtig hat keiner gepasst.

Ich fahre mit der Arth-Rigi-Bahn zum Bahnhof Rigi Staffel, muss dort eine halbe Stunde warten und fahre dann wieder mit der Vitznau-Rigi-Bahn bis Rigi Staffelhöhe.


Bahnhof Rigi Staffel


Ausblick


Moderne Triebwagen der Vitznau-Rigi-Bahn

Um 16:13 Uhr war ich dann am Bahnhof Rigi Staffelhöhe pünktlich angekommen. Von dort noch knapp zehn Minuten den Berg runter und ich war bei der Pension. Kein Schnee weit und breit, aber ein nettes altes Holzhaus. Die Tür war offen, im Eingangsbereich waren Schilder, welches Zimmer einem zugeteilt wurde. Die Besitzerin war nicht anwesend, der eigentliche „Checkin“ erfolgte also später.


Chalet „bee and me“ in Rigi Kaltbad


Mein Zimmer

Das kleine Zimmer fand ich sehr angenehm. Einziger Wermutstropfen war das Gemeinschaftsbad daneben, dessen Lüfter man deutlich hörte. Am Abend bin ich dann nochmal runter zum eigentlichen Kaltbad und hab mir die Gegend angeguckt.

Pläne für morgen hatte ich nicht direkt, einfach weil die Wetteraussichten noch nicht klar waren. Aber natürlich hatte ich mir die Möglichkeiten vorher angeschaut.

Rigi im Nebel, Ersatzprogamm im Tal

Über Nacht dann die freudige Überraschung, mit der ich in der Menge niemals gerechnet hatte: Schnee. Und was für einen. Mindestens 20 cm sind in der Nacht gefallen, alles war herrlich weiß.


Über Nacht wurde alles weiß

Nach dem Frühstück bin ich also erstmal auf zu einem kleinen Spaziergang. Ich war immer noch unschlüssig für den Tag. Oben sollte es wohl kalt, windig und bewölkt bleiben. Hoch auf den Gipfel wollte ich eher nicht.


Spaziergang nach Rigi First und zurück

Ich bin also über den „oberen“ Weg nach Rigi First und über den unteren wieder zurück. Das hat mir gereicht. Es war kalt und windig. Also Plan B: mit der Vitznau-Rigi-Bahn, die ich ohnehin noch fahren wollte, runter an den Vierwaldstättersee.

Zum Räumen benutzt auch die Vitznau-Rigi-Bahn noch alte Triebfahrzeuge, da man offenbar den Schneepflug nicht vor die modernen montiert bekommt:

Unten angekommen war es zwar logischerweise auch nicht sonnig, aber halt wärmer und der Wind war auch weg. Das fand ich angenehmer. Spannend fand ich das Auseinandernehmen des Zuges mittels Drehscheibe. Ich kannte das Konzept der Drehscheibe zwar, aber so in Aktion hatte ich das nie in echt gesehen. Das ist halt noch echte Eisenbahn und keine fahrenden Computer, die man bei einer Störung so lange neu startet bis sie funktionieren oder, wenn nicht, in die Werkstatt schleppt.


Drehscheibe


Vierwaldstättersee


Blick auf die verschneiten Ortschaften

Der Plan war dann schnell gefasst: ich wollte am Hang entlang von Vitznau nach Lützelau wandern und das letzte Stück nach Weggis dann mit dem Bus fahren. Von Weggis gibt es die Seilbahn nach Kaltbad. Wenn sie schon im Ticket mit drin ist, sollte man sie auch nutzen.

Ein markierter Winterwanderweg war es nicht, ich hab mich langsam vorgetastet. Würde sagen das waren alles Wanderwege der Schwierigkeit T1-T2, es lag unten ja nicht sehr viel Schnee aber natürlich sind die Bedingungen andere. Grödel hatte ich dabei und irgendwann auch benutzt, ansonsten fand ich es einfach cool die ersten Spuren auf den frischen Schnee setzen zu dürfen. Besonders toll finde ich die blanken Felsen, das gibt einen schönen Kontrast zum weißen Schnee.


Verschneiter Wanderweg


Blick auf den Vierwaldstättersee

Weiter ging es dann ein Stück über die Straße, vorbei an ein paar Häusern. Der Weg runter nach Lützelau war dann etwas schwieriger zu gehen, ein paar Metalltreppen und auch ansonsten steiler und schmäler, aber es ging schon ganz gut. Mich hat es am Ende dann zwar hingelegt, aber an einer Stelle wo es nur noch über eine Wiese ging. Hab dann halt nicht mehr aufgepasst aber auf den Schnee fällt man ja auch sehr weich. Ich hatte nichtmal einen „blauen Fleck“ oder sowas.

Das beste: am Nachmittag hat sich die Wolkendecke dann ganz langsam gelockert und am Abend wurde es sogar noch kurz sonnig!


Vierwaldstättersee in Lützelau

Der Bus fährt alle 30 Minuten und war auch pünktlich. Wir sind ja schließlich im Wunderland des öffentlichen Verkehrs. Fahrkarte hatte ich schon in der App gekauft.

Weggis ist deutlich größer als Vitznau und hat den Flair eines Kurorts. Es herrscht dort ein ausgesprochen mildes Klima. Unten am See befindet sich der Schiffsanleger für die Fähren am Vierwaldstättersee. Die Geschäfte und vor allem die Seilbahn sind deutlich weiter oben weshalb es dann nochmal richtig stressig wurde. Ich wollte noch die letzte Seilbahn mit Tageslicht erreichen aber auch noch was im Coop einkaufen. Das Wetter wurde jetzt richtig schön, was für den morgigen Tag hoffen ließ.


Weggis


Fähre am Vierwaldstättersee


Grad noch zur Seilbahn geschafft


Blick von der Seilbahn aus


Sonnenuntergang in Kaltbad

Zum Schluss noch eine Karte der heutigen Wanderung.

Viel ist dann nicht mehr passiert. Nach einem anstrengenden Tag – auch wenn die Wanderung nicht wirklich weit war, die Kälte ist halt auch ein Faktor – bin ich eigentlich am liebsten im Zimmer und gucke noch einen Film oder lese etwas. Internet war allerdings nicht so prickelnd, aber man kann ja auch offline vorsorgen.

Die entscheidende Frage ist dann eher gewesen: wie wird das Wetter morgen. Während ich es heute noch gelassen gesehen habe, wollte ich dann morgen natürlich schon auf den Gipfel und bei Nebel macht es keinen wirklichen Spaß. Die Wettervorhersagen waren sich alles andere als einig.

Auf die Rigi

Das erste nach dem Aufwachen war mein Blick auf's Smartphone und die Webcams der Rigi. Wettermodelle sind das eine, aber Webcams beschreiben die Realität. Während Kaltbad in der Hochnebelsuppe war, war der Gipfel, also Rigi Kulm über den Wolken. Yes!

Das Frühstück in der Pension war lecker. Es war jetzt kein Frühstücksbuffet wie im Hotel, aber es gab Brot, Käse, Marmelade und Müesli und besonders gut war der Kaffee: eine kleine Kanne French Press. Das ist meine bevorzugte Zubereitungsart und mir ist das tausendmal lieber als diese riesigen Höllenmaschinen, die in den modernen Hotels im Frühstücksraum rumstehen und Lärm machen.

Ich finde es ohnehin eine Unart, dass immer mehr die Gasträume in Bäckereien und Cafés mehr oder weniger zur Backstube und Küche mutieren. Früher war sowas getrennt. Das bringt Lärm und schlechte Luft in diese Räume und für das Personal finde ich das auch anstregend. Wenn man mal in einer kleinen Handwerksbäckerei kauft, wo das noch getrennt ist, merkt man sofort den Unterschied.

Noch kurz mit der Wirtin gesprochen und dann war der Plan fix. Zunächst wollte ich direkt von der Pension auf den Gipfel. Dazu geht man im Winter am besten erstmal runter nach Kaltbad, was ich eh wollte, um noch was einzukaufen. Und dann von dort auf dem Rigi Lake View Walk hoch zur Kulm. Es handelt sich um einen präparierten Winterwanderweg, also im Prinzip einen breiten Forstweg, der dann plattgewalzt wird wenn mehr Schnee liegt. In der Schweiz sind die Winterwege violett beschildert.

Überhaupt ist es etwas, was ich an der Schweiz sehr mag: dieses System der nationalen, regionalen und lokalen Wege für den „Langsamverkehr“, also zu Wandern, Radfahren, Schneeschuhwandern, Winterwandern etc. auf SchweizMobil. In der Form gibt es das sonst nirgendwo.


Bei dem Ausblick muss der Tag eigentlich traumhaft werden

Kurz geht es aber nochmal unten in die Nebelsuppe. Die Grenze zwischen Sonne und Wolken/Nebel ist nicht fix sondern relativ dynamisch. So in der Höhe um 1.400 bis 1.500 m ist man meistens in einem Bereich, wo es wechselt. Die Rigi Kulm mit 1.798 m ist aber sicher darüber, solange es halt Hochnebel ist und keine „richtigen“ Wolken. Das ist letztlich auch der Grund gewesen, warum die Wettervorhersagen für heute so unterschiedlich waren. Wenn man in der App nicht aufpasst und nicht den Gipfel einstellt (sofern das überhaupt angeboten wird), bekommt man dann einfach das Talwetter präsentiert.



Auch der Hochnebel ergibt tolle Stimmungen

Eine weitere Sache, die ich in der Schweiz sehr mag sind die vielen öffentlichen Grillplätze, wo es meistens sogar Holz gibt, das man sich nehmen kann.


Grillplatz

Die Aussichtsplattform Rigi Känzeli liegt ganz knapp über den Wolken, eine wirklich gute Aussicht ergibt sich aber nicht. Was kein Problem ist, es geht ja weiter hoch. Ich erreiche Rigi Staffelhöhe, also den nächsten Bahnhof, wo dann der Wanderweg ein Stück weit neben den Bahngleisen verläuft.


Rigi Staffelhöhe


Rigi-Vitznau-Bahn

Ab jetzt ist es einfach nur ein Winter-Wonderland. Keine Wölkchen am Himmel, und es wird den ganzen Tag so bleiben. Die warme Sonne auf der Haut, kaum ein Wind weht. Den Gipfel Rigi Rotstock lasse ich links liegen und folge gleich dem Weg zu Rigi Kulm. Den charakteristischen Sendemasten sieht man von weitem.


Arth-Rigi-Bahn

Oben angekommen ist es bereits Mittag. Diese Gehzeiten muss man auch mit Vorsicht betrachten wenn man ständig Fotos schießt. Und Winter und Sommer muss man eh trennen. Ich will den Aufenthalt ja genießen. In der Toilette oben hab ich mir erstmal ein trockenes T-Shirt angezogen und bin dann in den Imbiss neben dem Bahnhof zu einer kleinen Stärkung. Es gibt oben aber auch das Hotel mit Restaurant und eine andere Gaststätte. An einem Sonntag ist natürlich viel los, jede Menge Touristen, die mit der Bahn hochfahren. Andererseits ist die Kulm kein kleiner Gipfel sondern mehr so ein Plateuau, es verläuft sich trotzdem ganz gut und selbst da findet man noch ruhige Ecken, nämlich die Bank hinter dem alten Lokschuppen.

Die nächste Bahn würde schon ein 20 Minuten gehen, das ist mir deutlich zu wenig, so dass ich dann über eine Stunde Zeit für den Aufenthalt oben habe. Das passt. Ich gehe in Ruhe zum Sendemast. Die Aussichtsplattform auf dem Sendemasten ist wegen Eisabfalls aber gesperrt. Der Sender Rigi der Swisscom deckt weite Teile der Nordschweiz ab durch diese exponierte Lage. Man kann es in Deutschland mit dem Sender Wendelstein oder am Grünten vergleichen. Mit mit dem Rückzug von UKW hat der Sender aber seine Bedeutung verloren, bei DAB agiert man ja eher kleinteiliger und sendet mit weniger Leistung. Trotzdem ist ein Abbau vorerst nicht geplant.


Hotel Rigi Kulm


Blick auf den Zugersee


Sendeanlage am Rigi


Blick auf die Berge

Das war also nun der erste Teil:

Ich fahre nun mit der Arth-Rigi-Bahn runter bis Kräbel und von dort mit der Seilbahn auf Rigi Scheidegg. Damit bin ich nun also alle Zahnradbahn- und Seilbahnstrecken gefahren, die man mit dem Ticket fahren kann. Die Rigi Scheidegg ist mit 1.659 m der kleinere und unbedeutender Gipfel der Rigi-Berglandschaft. Trotzdem befinden sich oben Gasthäuser, eine Kapelle und eine kleine Aussichtsplattform.

Das coole daran: viel weniger los als auf der Kulm, aber der eigentliche Grund war dieser Rigi Panoramawanderweg auf der alten Bahntrasse. Im Sommer eher langweilig bzw. eine Radroute, aber im Winter eigentlich ziemlich perfekt. Zum Schlitteln ist die Steigung aber größtenteils zu gering, man braucht dann eher Langlaufski.

Oben angekommen gibt in einem kleinen Hofladen erstmal einen Kaffee, den ich draußen in der Sonne genieße. Es ist zwar schon am späteren Nachmittag, aber selbst wenn ich die letzten Meter in Dunkelheit laufe ist das auch kein Weltuntergang. Die Webcam befindet sich übrigens oben auf der Aussichtsplattform. Alle 15 Minuten wird ein Bild gesichert, dessen Archiv man noch relativ lange im Rückblick abrufen kann. Wenn man sich länger dort aufhält kann man sich selbst im Archiv sehen. Die Bilder sind natürlich so gemacht, dass man keine Gesichter erkennen kann.




Ein schöneres Panorama kann man sich gar nicht vorstellen

So gut wie an diesem Tag hab ich mich echt lange nicht mehr gefühlt. Als wären alle Probleme unten im Tal geblieben. Langsam muss ich los. Nochmal an der Bergstation der Seilbahn vorbei kontinuierlich nach unten. Teilweise in der Sonne, teilweise im Schatten. Es sind um die Zeit (es ist nach 15 Uhr) nur noch wenig Leute unterwegs. Dass es sich um eine Bahntrasse handelt, sie man ganz gut an einem kleinen Tunnel und an Brücken. So würde man keinen Fahrweg und schon gar keinen Wanderweg anlegen.


Seilbahn Bergstation


Beschilderung


Wanderweg

Ein kleines Highlight ist die Brücke Unterstetten, die 1875 eröffnet wurde. Weil die Brücke dann nach Stillegung der Eisenbahn auch für die Fahrstraße umgebaut und benutzt wurde, erfolgte 2017/18 eine Erneuerung.




Brücke Unterstetten

Die Sonne ist ungegegangen. Das letzte Stück ist im Schatten und wir tauchen dann ab Rigi First in die Wolken ein. Hier hat man nochmal einen schönen Blick auf die Rigi Kulm.


Wir tauchen wieder in den Nebel


Rigi Kulm


Rigi Kaltbad mitten in der Wolkengrenze


Bergstation Kaltbad

Ab in die Pension. Trotz des tollen Tages schlafe ich schlecht. War's die Anstrengung oder dass es am nächsten Tag wieder zurückgeht, oder einfach die tollen Erlebnisse, ich weiß es nicht. Die anderen Gäste waren es jedenfalls nicht, denn von Sonntag auf Montag war ich quasi allein auf dem Stockwerk.

Und wieder zurück

Sehr wehmütig breche ich auf. Der Zug geht um 09:40 Uhr in Kaltbad. Kurz hoch nach Rigi Staffel, dort 30 Minuten warten, umsteigen und runter nach Arth-Goldau. In Kaltbad bin ich heute in der Nebelsuppe. Aber da es erstmal noch hoch geht habe ich Glück: ein letztes Mal die Rigisonne genießen.



Über den Wolken


Warten mit Ausblick, beheizt und mit warmem Teewasser!

Zurück dann wieder mit alten Fahrzeugen, heute rot. Nachdem nach unten am Vormittag naturgemäß Flaute ist, kann ich ein Innenfoto machen. Die Fenster lassen sich öffnen!




Arth-Rigi-Bahn

Ankunft in Arth-Goldau sogar etwas früher, ich kann also noch im Coop was für das Mittagessen besorgen. Leider kündigt sich das Bahnchaos schon an: der IC2 von Zürich nach Stuttgart fällt aus. Der Ersatzzug fährt nur bis Schaffhausen, im Endeffekt komme ich eine Stunde später an. Aufgrund verschiedener Umstände sollten es 2 Stunden und 20 Minuten Verspätung werden, bis ich zu Hause eintreffe. Wenigstens war die Fahrt dank Deutschlandticket günstig.

Fazit

Man muss etwas Wetterglück haben, aber wenn man das hat ist die Rigi eigentlich immer eine Reise wert, besonders auch im Winter wie man an den Bildern sieht. Die Übernachtung oben in Kaltbad war eine hervorragende Idee. Ich finde nämlich diese tolle Landschaft viel zu schade, um einfach hochzufahren, paar Fötelis zu schießen und wieder runterzufahren.